Njörd - der Fisch!!!


Heute Nacht, so um kurz vor es Hell wird hier im Norden von Norwegen, hatte Njör∂r (sagen wir einfach „Njörd“ zu ihm) plötzlich den Einfall, die Windstärke von „Frisk bris“ auf „Stiv kuling“ zu erhöhen. Das blöde ist nur, dass er das gemacht hat, ohne jemanden zu informieren… Die Götter hier heroben haben halt leider immer noch nichts von mobilem Internet und Sammelmails gehört, grrrr… Das war ärgerlich.

Ich bin da gemütlich unter der Decke in meinem Dachzelt am Mützen, als plötzlich von – gefühlt – allen Seiten derartig Luftstöße gekommen sind, dass sogar Hilder Angst bekommen hat und zu wackeln begann. Das ging dann gut so sau lang auf und ab und hin und her… Ich war jedenfalls wach und dachte mir: „Sch… hoffentlich flügd m’r etz nid glei des Zealt om’d Ohra!“ Eh klar, soviel Glück nach grad mal fast einer Woche Norwegenurlaub kann ich natürlich nicht haben.

Zum Glück bin ich auf dem Rücken gelegen und habe eben da den Geräuschen gelauscht. Urplötzlich – ohne Vorabankündigung – hat sich der Teil vom Zelt der nicht auf dem Dach befestigt ist (das ist bei mir also der Fußbereich) eingeklappt Ja, mit mir drinnen! Ja und es hat sich auch nicht mehr ausgeklappt, weil der saublöde (sorry) Njörd genau in dem Moment nochmal ein Schaufellüftchen dazugelegt hat!

Brutal! So viel Gümnastik bzw. Frühsport (eigentlich Mitten-In-Der-Nacht-Sport) hatte ich tatsächlich noch nie. …ich habe gute etliche Minuten gebraucht, bis ich mich mit meinen Oberschenkeln (zum Glück bin ich heftig am Fahrradfahren) gegen Njörd stemmen und die Hälfte vom Zelt wieder runterdrücken konnte. Als ich da endlich raus war, gings erstmal ums Schaden schätzen. Zum Glück kein Schaden! Weder am Zelt noch am Auto noch an der Umwelt (…ok das Angstbisi habe ich dann schon direkt neben dem Auto laufen lassen…).

Was tun? Glücklicherweise war ich schon kurz vor „Vardø“. Und gleich danach ist dann noch „Domen“ gekommen. „Domen“ sind drei ganz komisch angeordnete Baukörper mit rosa Scheiben drinnen. Das ist so beschrieben, dass die eben so angeordnet sind, dass immer eine Windgeschützte Seite da sein sollte. Und gleichzeitig hat man da einen super Blick auf „Vardø“. Ich habe das Auto und alles zusammengeklaubt und bin die paar Kilometer – mitten in der Nacht – runtergefahren. Dann habe ich mir den Schlafsack gepackt und bin zu dem Teil rausgelaufen. …bequem war es nicht, aber für die nächsten drei Stunden hatte ich jedenfalls was, wo ich nochmal eine Mütze Schlaf bekommen habe. Ich habe mir – es war nämlich ungefähr brutal kalt – den Wecker gestellt und bin mit den ersten ATV-Nachrichten wieder aufgewacht.

Ich bin dann halt schon ganz früh losgefahren. Ich musste den ganzen Weg zurück bis nach „Tana bru“, weil ich von dort aus eben noch den nördlichen Teil der Halbinsel „Varanger“ ansehen wollte. Da oben standen für mich noch die Ortschaften „Båtsfjord“ und „Berlevåg“ an. Beide Orte werden von den Hurtigruten regulär angefahren, wenn sie auf dem Weg nach „Kirkenes“ sind. Es gibt da noch ein anders Schiff, dass auch Linie fährt, damit ist es so, dass die Orte zweimal am Tag angefahren werden. Auf dem Boot dauert die Verbindung gute 30 Minuten. Ich mit Hildar brauche da fast zwei Stunden um von einem zum anderen zu kommen… krass, oder?

Beide Orte sind einfach immer noch volle Fischereiorte. Da dreht sich alles den Fisch. Tourismus ist wohl da, aber ganz wenig nur. Es gibt viele Hotspots, wo die Papageientaucher beobachtet werden können, das werde ich aber – wenn möglich – auf der Insel machen, wo das Nordkapp oben ist… Wenn ich beide Orte vergleichen sollte, dann hat mir „Berlevåg“ etwas besser gefallen. Einfach aus dem Gefühl heraus. Im Ortskern hat es genial nach Fisch geschmeckt! Wo kriegt man das sonst noch ;-).

Dort habe ich auch das Firmenschild von „Lerøy“ wieder gesehen. Das ist eine Firma, die nicht nur Lachs fischt, sondern den auch eben selbst in den Aquabecken in den Fjorden von Norwegen selbst züchtet und verkauft. Es gab/gibt da eine sehr kritische Dokumentation über Lachsfarmen in Norwegen. Zur Dokumentation wurden wohl alle großen Lachsproduzenten angefragt, ob sie da auch Drehgenehmigungen für ihre Betriebe hergeben würden. „Lerøy“ war die einzige Firma, die sofort gesagt hat: „Ja, bei uns könnt ihr drehen und uns interviewen wie ihr wollt.“

Ansonsten ist die Fahrt da in den Norden zu den Orten einfach wieder genial. Es geht auf 300 m.o.h rauf! Ich habe mich nicht getraut auszusteigen. Hatte ja kein Sauerstoffzelt dabei…
Und trotzdem. Einfach genial da durchfahren zu dürfen… kein Mensch weit und breit, maximal Rentiere in allen Größen. Bäume? Nein, die gibt es hier heroben nicht mehr. Die Sträucher selbst werden maximal noch mimimigroß. Klar, was es zu hauf gibt, sind MÜCKEN ;-).

Ich wollte jetzt zuerst in „Juovlavuotna“ auf den Campingplatz und das sehr schnell verstaute Dachzelt wieder ausprobieren. Aber leider, die haben den Campingplatz wohl mangels Rentabilität abgebaut bzw. irgendwo anders wieder aufgebaut und niemandem gesagt, wo der jetzt denn wäre. Auch kein Problem. Ich kenne nämlich seit heuer einen Campingplatz, der alle Stücke spielt, „Tana Familiecamping“. Und da habe ich mich jetzt für eine Nacht – wettertechnisch bedingt (Njörd hat sich mit Thor zusammengetan) - in eine kleine Hütte eingemietet.

Morgen geht es mit mir auf die Halbinsel „Nordkyn“. Dort ist/wäre der tatsächliche nördlichste Punkt des europäischen Festlandes.

Heute vor 15 Jahren war das Utøya-Massaker. Andy, Edi und ich sind genau zu der Zeit in Norwegen gewesen. Wie wir das erlebt haben und was damals alles los war, könnt ihr hier nachschauen.
Noch genauer: Norwegen 2011 – Oslo und Utøya (Video)