Landschaftsroute "Varanger"


Heute um pünktlich zur Mitternachtssonne bin ich aufgestanden und konnte die ersten Fotos eben genau um 00:00 Uhr machen ;-). Tag zwei in Norwegen und schon die ersten Sonnenfotos… voll geil.

Bei dem Platz wo ich übernachtet habe, war noch ein Schild aufgehängt. Auf dem wurde erklärt, was man alles nicht tun sollte bzw. wie das denn so mit der Grenze Norwegen/Russland läuft. Die Grenzpfosten sind ganz interessant. Die norwegischen sind gelb und haben eine schwarze Spitze. Die russischen sind grün und rot. Die Staatsgrenze liegt üblicherweise in der Mitte vom Fluss, soweit klar. Die Grenzpfosten sind von der (ungefähren) Mitte des Flusses mindestens vier Meter auf der jeweiligen Seite. So kriegt man also einen acht Meter breiten Spalt, der grundsätzlich niemandem gehört und auch nicht betreten werden darf. Gleich am Anfang vom Tal stehen sich zwei Pfosten gegenüber. Und ich war nur zwei Meter hinter dem norwegischen Pfosten!!! Näher an Russland rankommen werde ich wohl so schnell nicht mehr ;-). Ich bin heute ganz in der brutal früh denselben Weg bis fast nach „Tana bru“ zurück. Ging nicht anders, weil erst kurz vorher die Abzweigung „Vadsø“ bzw. „Vardø“ bzw. zur norwegischen Landschaftsroute „Varanger“ bzw. wirklich das Ende der Welt „Hamningberg“ ist und ich das ja alles ansehen möchte. Und das hat sich voll gelohnt.

„Vardø“!!! Da fährt man einfach eine kleine Ewigkeit durch menschenleeres Gelände, kommt um eine Kurve und sieht eine Insel auf dessen rechter Seite drei riesengroße, weiße Bälle stehen (ihr wisst schon, da sind die Abhörstationen und Radardingsbums drinnen) und mittig bzw. eben links alles mit einem Dorf verbaut ist. Was man nicht sieht, ist irgendwie eine Brücke oder eine Fähre, die auf die Insel geht. Typisch Norwegen halt. Da kommt kurz bevor die Barentssee beginnt einfach ein Loch in das man reinfahren kann. Das geht dann in 30 Sekunden auf 100 Meter runter, dann etwas Gerade und dann in 30 Sekunden und einer Linkskurve wieder an die Oberfläche. Ist echt spannend, wie und wo überall Tunnel gebastelt werden. In dem Ort gibt es auf der linken Seite eine als Stern angelegte Festung. Ich wollte ja rein, musste aber doch etwas weiter Weg parken und habe Geldtasche und Handy vergessen. Egal, habe ich halt so von außen ein paar Fotos gemacht und im Internet nachgelesen, was die Festung so alles kann. Halt wie immer. Sie hat brutal viel Kanonen und ist schwer zu erobern.

So und jetzt haltet mir Tante Christine fest! Viel interessanter ist das „Heksebrenningsmonument“. Ja, richtig. Ein Monument und eine Ausstellung zum Thema Hexenverbrennungen hier in der Gegend. Im 17. Jahrhundert sind unglaublich viele Frauen als Hexen verkleidet hier herumgelaufen. Kein Wunder das man denen den Exorzismus gemacht hat und sie dann verbrannt hat. Die Ausstellung selbst ist leider nur auf norwegisch aber es gibt da ein Büchlein dazu das auf Englisch ist, das habe ich mit… da werde ich dann noch das eine oder andere Mal reinsehen und was rausschreiben und hier reinschreiben ;-).

Und dann kam der superspeziale Weg nach „Hamningberg“. Der ist wirklich nurmehr 2,5 Meter breit und fertig! Nix mit irgendwie zwei Autos aneinander vorbei und so, nur noch von Ausweiche zu Ausweiche fahren geht. Und das dann über gute 40 Kilometer!!! VOLL SPEZIAL!!! Immer der Küste entlang, durch derart schroffe Felsen … sowas habe ich in Norwegen noch nicht gesehen! Einfach genial. „Hamningberg“ selbst ist sehr klein, hat genau ein Touristenkaffe und das wars dann. Aber trotzdem ganz an der Spitze draußen haben die Norweger einen tollen Aussichtspunkt – direkt neben einer alten Weltkriegsfestung der Deutschen – hingebaut, schaut super aus. Ich wollte eigentlich genau nur bis dorthin fahren und dort wieder übernachten. Aber die haben in dem Örtchen leider nur genau einen Parkplatz und der ist nicht windgeschützt und es hat angefangen zu blasen bis zum geht nicht mehr. Keine Chance da das Dachzelt aufzubauen… Ist halt leider so, wenn man direkt an der Barentssee unterwegs ist… Ich bin jetzt einfach die 40 km. Wieder zurück nach „Vardø“ und habe da ein windgeschütztes Plätzchen gefunden. Jetzt hat es gemütliche 13°. Grad recht um sich gemütlich in die Decke einzuwickeln und auf die nächste Mitternachtssonne zu warten.

Da fällt mir übrigens grad ein, dass auf dem Weg hier rein – kurz vor „Vardø“ – mitten im nichts – drei so schwarze Rechtecke stehen. Fenster drinnen… Glaubt es oder nicht, das sind tatsächlich kleine Lofts, die man für nicht wenig Geld mieten kann. Und laut Onlinereservierung sind die – auch im Winter – ausgebucht!!!

Morgen beim rausfahren, gehe ich mir noch die beim reinfahren ausgelassenen Sehenswürdigkeiten (wie z.B. Mortensnes bzw. Domen) ansehen.