Jetzt bin ich am Nordöstlichsten Punkt von Norwegen!!! Voll geil! Beim herfahren geht es circa ganz lange einem kleinen Grenzfluss entlang. Da steht dann zweimal auf Norwegisch, Samisch und Englisch, dass hier die Staatsgrenze ist und wehe ich benehme mich nicht bzw. Brünzle da in den Bach. Ich darf bitte auch nicht ganz aufdringlich russische Soldaten oder ihr Equipment fotografieren. Fischen darf nur der Einheimische. Das Ganze sei Videoüberwacht und nein das sei kein Scherz, sondern richtig ernst!
Ganz oben angekommen, sieht man zuerst einen russischen Wachturm. Ich habe dort mit meiner superspezial Sony-30fach-Zoom sicher 10 Minuten draufgehalten – da ist niemand… zumindest habe ich keinen Soldaten oder ähnliches gesehen. Selbes dann auf der linken (norwegischen) Seite. Da ist ganz oben am Hügel die Radarstation zu sehen, die definitiv besetzt ist, denn das Radar hat sich nämlich da voll gedreht.
Direkt unterhalb der Radarstation (quasi ebenerdig), steht eine wunderschöne Kapelle (das ist die König-Oskar-II.-Kapelle). Vor brutal langer Zeit, gleich nach der Grenzziehung, gab es immer wieder Streitereien (wahrscheinlich zwischen den örtlichen Fischern…). Jedenfalls hat da ein Marinesoldat dann vorgeschlagen da eine Kapelle zu basteln. Gesagt getan und als dann ein paar Jahre später der aktuelle norwegische König Oskar II. auf Besuch vorbeikam und die tolle Kapelle sah, hat er sie sofort nach sich benannt. Tolles Teil jedenfalls. Da ist ein Parkplatz. Von dem aus kann man noch etwas weiter wieder direkt an den Bach laufen. Und da sieht man dann auch die Radarstation der Russen. Witzig. Die ist viel kleiner als die der Norweger ;-)…
Gute 300 Meter weiter, geht es ums Eck und da ist ein kleiner Parkplatz und auch eine Holzhütte, die auf einer Seite offen ist. Davor eine Koch-/Feuerstelle. Das ganze hier ist eine Stelle, wo die Einheimischen ihre Schiffe ins Wasser lassen können. Da stehen nur drei Hütten und sonst nichts. Beim herfahren habe ich aber schon einige Häuser – die wohl auch bewohnt sind – gesehen. Laut einer Tafel an der Wand, sind hier schon bis in die 80er Jahre noch Leute wirklich am Wohnen gewesen. Mittlerweile sind aber alle weggezogen, wobei trotzdem noch irgendwie ca. 40 Personen hier leben sollen. Sehr viele der ehemaligen Einwohner nutzen die Häuser aber eben nur noch als Wochenendhaus.
Jetzt sitz ich hier bei strahlend blauem Himmel und 15 Grad direkt an der Mole und mach mit der Ente Gelb den ersten Zeitraffer. Bin schon gespannt, ob der was wird. Neben mir stehen vier Wohnmobile und der eine hat die Vorderräder schon aufgebockt. Bedeutet, der bleibt wohl über Nacht. Und wisst ihr was, das mach ich auch. Vielleicht schaff ich es ja um Mitternacht aufzustehen und die ersten Mitternachtssonnenfotos zu machen. Mal sehen… so wie das Wetter aussieht dürfte das sogar was werden. Es soll wohl jetzt etwas Wolken und Regen geben aber gegen Mitternacht … niemand weiß was genaues… also mal sehen…
Ha! Ich glaube ich kann doch noch an den Bach und einen lauwarmen Gruß nach Russland schicken. Jetzt ist grad ein Trupp Norweger-Grenzsoldaten hier eingetroffen. Die machen es sich am Feuerplatz gemütlich. Die bleiben glaub ich auch etwas. Mit ihnen angefreundet habe ich mich schon, ich habe nämlich „Heihei“ zu ihnen gesagt. Dann haben die auf meine Autonummer geschaut, gegrinst und ebenfalls „Sevas“ gesagt. Ich mein, sie sind schon noch in Uniform und der eine hat ein Funkgerät mit einer riesigen Antenne dabei (offensichtlich haben sie aber kein Empfang, sie haben dann ihren Standort am Handy durchgegeben), aber warum sie mein Angebot zum Whisky nicht angenommen haben, wundert mich jetzt doch schon ein wenig. Die sitzen jetzt jedenfalls schön gemütlich rund ums Feuer und quatschen... Wahrscheinlich haben die nur kurz Pause und sind irgendwo wirklich auf einer längeren Runde…
Übrigens dachte ich ja, ich bin irgendwo zwischen 3500 und 4000 Meter hoch. Der Berg „Jarfjordfjellet“ hat mir dann aber gezeigt, dass ich viel weiter unten bin.